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Arbeitsstelle »Kirchliches und schulisches Zeitschriftenwesen«

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Foto: FSU Jena

Digitalisierung kirchlicher und schulischer Zeitschriften

Seit 2009 werden im Digitalisierungsprojekt »Kirchliches und schulisches Zeitschriftenwesen« praktisch-theologische und religionspädagogische Zeitschriften, kirchenamtliche Verordnungsblätter, die Kirchenzeitung »Glaube und Heimat«, zahlreiche Gemeindeblätter sowie die Synodenberichte der Thüringer evangelischen Kirche digitalisiert und bereitgestellt.

Das Projekt wird vom FZRB in Kooperation mit der Thüringer Universitäts- und Landesbibliothek Jena durchgeführt.

Bislang konnten über 50 Periodika mit insgesamt ca. 100.000 Druckseiten als Digitalisate auf Homepage der Arbeitsstelle zur Verfügung gestellt werden.

Diese Periodika geben einen intensiven Einblick in die institutionen- und professionsgeschichtliche Entwicklung des Pfarrer- und Lehrerberufs im regionalen Kontext Thüringens sowie der Thüringer Landeskirchen und bieten darüber hinaus eine breite Basis für die Erforschung der Thüringer Kirchen- und Bildungsgeschichte.

Webseite des Digitalisierungsprojektes

 

Die Arbeitsstelle in der Fachliteratur

In einem kürzlich veröffentlichten Fachartikel von Prof. Dr. Bernd Schröder, zum Thema Religionspädagogik und Digitalität, findet die Arbeit des kirchlichen und schulischen Zeitschriftenwesen Erwähnung. Prof. Schröder hebt in diesem Zusammenhang das Potential digitaler Zugriffsmöglichkeiten für die Vernetzung professioneller Theoretiker*innen und der Generierung von Theorien hervor. Die Digitalisierung von Zeitschriften erleichtert den Quellenzugang für Forschende und Interessierte.

Zum Fachartikel

Förderung zur OCR-Volltexterkennung 

Durch eine Förderung der Thüringer Staatskanzlei können die Digitalisate der Zeitschrift „Glaube und Heimat“ aus den Jahren 1924 -1941 mit einer artikelgenauen Strukturierung und einer OCR-Volltexterkennung ausgestattet werden. Die Zeitung stellt sowohl für die Thüringer Kirchengeschichte als auch für die Profangeschichte Thüringens in der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts eine herausragende Quelle dar. Die OCR-Erkennung ermöglicht erstmals die maschinengestützte systematische Auswertung der Kirchenzeitung (u.a. Suchmöglichkeit, artikelgenaue Strukturübersicht). Damit steht die Zeitschrift wissenschaftlichen Forschungsvorhaben, regionalgeschichtlichen Untersuchungen aber auch heimatdichterisch Interessierten in einer barrierefreien und dauerhaft nutzbaren Form online zur Verfügung.

Wir danken der Thüringer Staatskanzlei für die Förderung des Projekts. 

Symposium 200211 Symposium 200211 Foto: Jessica Paesch

Symposium zum 10-jährigen Bestehen des Digitalisierungsprojekts »Kirchliches und schulisches Zeitschriftenwesen«

Am 11. Februar 2020 feierte das Digitalisierungsprojekt seinen 10. Geburtstag. Prof. Dr. David Käbisch und Prof. Dr. Martin Keßler hielten einen Festvortrag unter dem Titel "Chancen und Herausforderungen der Digitalisierung religionspädagogischer und kirchenhistorischer Quellen", in welchem sie die Bedeutung digitaler Entwicklungen für die Forschung reflektierten und neu zu erschließende Möglichkeiten aufzeigten. 

Prof. Dr. Marin Keßler Prof. Dr. Marin Keßler Foto: Katharina Muth

Prof. Dr. Martin Keßler (Basel)

Prof. Dr. David Käbisch Prof. Dr. David Käbisch Foto: Katharina Muth

Prof. Dr. David Käbisch (Frankfurt a.M.)

Ein Blick zurück anlässlich des 10-jährigen Bestehens - Über die Entstehung des Digitalisierungsprojektes

1 Am Anfang stand ein Buch

Am Anfang stand ein Buch über den Jenaer Religionslehrer und später bekannten Religionspädagogen Gerhard Bohne. Bohne war auf Seiten des Christlichen Elternbundes Akteur in dem während der Zeit der Weimarer Republik intensiv geführten Schulkampfs um die Zukunft des konfessionellen Volksschulwesens und später ein namhafter Vertreter des kerygmatischen Religionspädagogik. Bohne führte uns zu den Altenburgern Gemeindeblättern, in denen er regelmäßig die schulpolitischen Ereignisse in Thüringen kommentierte und für die Beibehaltung des konfessionell gebundenen Schulwesens warb. Wir waren sehr beeindruckt von dieser seriellen Quelle der Gemeindeblätter, weil sie uns einen Einblick in die damaligen Debatten eröffneten, die uns andere Quellen wie Synodenberichte oder gar Monografien nicht bieten konnten.

Und Bohne führte uns zu Wilhelm Rein, dem weltberühmten Jenaer Erziehungswissenschaftler, bei dem Bohne promovierte, und zu dessen schulpädagogischen Schriften in der Mann‘schen Reihe.

Die Schriften fanden wir im Magazin der ThULB und kopierten sie eifrig – das Wort scannen gab es in unserem Wortschatz wohl noch nicht. Hierbei entstanden lesbare pdf-Dateien, die wir mittels der Suchfunktion auswerten konnten. Die Idee, diese Kopien auf die Homepage zu stellen und damit auch anderen bildungshistorisch Interessierten zur Verfügung zu stellen, lag auf der Hand.

2 Die Zusammenarbeit mit der ThULB

Begleitet wurde diese Idee durch einen großen Zeitungsartkel in der TA mit dem Tenor, dass sich junge Theologen auf dem Weg machten, gefährdete Schriften der ThULB vor der Selbstauflösung zu retten. Kein Wunder, dass sich die Leitung der ThULB auf den Plan gerufen sah und bei uns anrief. In der Tat musste der Artikel auf Irritation auf Seiten der Bibliothek, die nun gerade die Bewahrung und Aufbereitung historischen Schriftguts auf ihren Fahnen zu stehen hatte, führen. Aber die Bibliothek äußerte sich sehr einladend und somit kamen wir mit Michael Lörzer und seinem Team – insb. mit Herrn Hillesheim – in ein sehr produktives Gespräch. Vereinbart wurde, nicht nur die Schriften Reins und das Altenburger Gemeindeblatt zu digitalisieren, sondern sukkzessive die in der ThULB lagernden Gemeindeblätter sowie die Synodenberichte der Thüringer Landeskirche zu digitalisieren.

Seitdem schicken wir seit 10 Jahren junge, hungrige Theologiestudierende in die ThULB, die für das Einscannen der Schriften zuständig sind. Und wir sind der ThULB sehr dankbar für den Löwenanteil an der Arbeit, die vor allem in der Bearbeitung der Digitalisate, der Texterschließung und dem technischen Support besteht.

3 Kooperation mit dem Landeskirchlichen Archiv in Eisenach

In einem nächsten Schritt stellten wir die Kontakte zum Landeskirchlichen Archiv in Eisenach her. Viele Pappschachteln mit Gemeindeblättern sind seitdem zwischen Eisenach und Jena hin- und zurückgependelt, um die Vollständigkeit der digitalisierten Schriften zu sichern. Um überhaupt die Menge der Schriften beherrschbar zu machen, haben wir beschlossen, zunächst die Gemeindeblätter der Thüringischen Residenzstätte einzustellen. Dieser Arbeitsschritt ist zwischenzeitlich ebenso abgeschlossen wie die Digitalisierung der Synodenberichte.

4 Projektleitung unter Gregor Reimann

Zwischenzeitlich hatte Gregor Reimann die Projektorganisation übernommen. Und unter seiner ruhigen Leitung wuchs das Projekt. Die AS am ZRB wurde eingerichtet und es entstand mit der ThULB die Idee, eine eigene Homepage für unser Digi-Projekt zu entwerfen. Auch hier sind wir der ThuLB dankbar für die Förderung und massive Unterstützung des Vorhabens.

5 Weiterförderung des Projekts

Und schließlich beschlossen wir im letzten Jahr bei der Staatskanzlei eine finanzielle Förderung eines Teilprojektes, nämlich die Digitalisierung der 1924 gegründeten Kirchenzeitschrift Heimat und Glaube zu beantragen.

Dieser Antrag war mit Erfolg gesegnet, so dass ich Ihnen heute mitteilen kann, dass unser Kooperationsprojekt mit der ThULB nicht nur seinen 10-Jährigen Geburtstag feiert, sondern dass das Projekt auch in der nächsten Zeit durch eine Finanzierung weitergehen wird.