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Arbeitsstelle: "Konfessionell-kooperativer Religionsunterricht in Thüringen"

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Foto: imaginando/stoke.adobe.com
Tanzende Kinder Tanzende Kinder Foto: Marita Koerrenz

Die Fachtagung "Gemeinschaft in der Krise?" vom 20.05.2021. Ein Rückblick

… ohne die Mühe und Zeit der Anreise an die Theologische Fakultät der Universität Jena konnte der dritte Fachtag zum konfessionell-kooperativen Religionsunterricht digital besucht werden. Insgesamt versammelten sich 25 Teilnehmende und Veranstaltende im digitalen Raum und traten in ein spannendes Gespräch zu dem aktuellen Thema: „Gemeinschaft in der Krise?“ ein. Durchgeführt wurde diese Fortbildung von der Arbeitsstelle Konfessionell-kooperativer Religionsunterricht in Thüringen des Zentrums für Religionspädagogische Bildungsforschung (ZRB) der Friedrich-Schiller-Universität Jena in Kooperation mit der Katholischen Fakultät der Universität Erfurt und dem Pädagogisch-Theologischen Institut (PTI) der EKM.  

Zwei Impulsvorträge leiteten in das Thema ein, zum einen eine soziologische Betrachtung der derzeitigen gesellschaftlichen Situation und zum anderen der theologische Blickwinkel auf das Geschehen in der Pandemie. Dr. Ekkehard Steinhäuser fragte zunächst nach dem möglichen Gewinn, die ein Konflikt für die Diskussionskultur in Deutschland mit sich bringen könnte und formulierte die These: „Weder unsere Gesellschaft noch ihr sozialer Zusammenhalt sind in der Krise. Doch es braucht einen klaren Blick für die Prozesse der Veränderung und einen respektablen Austausch über die Fragen und Herausforderungen unserer Zeit.“ Nach den möglichen Potentialen der christlichen Konfessionen in der derzeitigen Pandemiesituation fragte Dr. Marita Koerrenz. Christen wüssten um die Stärken von Gemeinschaft: „Vielleicht liegt ein Geheimnis dieses Wissens darin, dass sich christliche Gemeinschaft niemals selbst genügen kann, sondern von einem anderen herkommt und auf einen anderen zugeht.“ Angesichts der derzeitigen Pandemiesituation sei neu danach zu suchen, „was christliche Gemeinschaft konstituieren möchte und welches Bild von Gemeinschaft wir unseren Schülerinnen und Schülern zum Nachdenken anbieten wollen“. 

Das digitale Format einer Fortbildungsveranstaltung ermöglicht es, dass sich durch einen „Klick“ Gruppen digital in unterschiedlichen Räumen beraten konnten. Hilfreich war es in diesem Zusammenhang, auf die Kompetenz von Stefan van der Hoek zurückgreifen zu können. In drei Gesprächsrunden wurden die Fragen diskutiert, wie wir die Krise wahrnehmen, welche Erwartungen wir an uns haben und welche Impulse wir aus dem Schatz des Glaubens fruchtbar machen können. Nach einer kurzen Pause wurden anschließend drei Workshops vorgestellt, die von katholischen und evangelischen Religionspädagogen gemeinsam vorbereitet worden sind. Getrennt in den Primarbereich, Sekundarstufe I und Sekundarstufe II wurde über konfessionell-kooperative Unterrichtsprojekte zum Thema „Gemeinschaft in der Krise?“ nachgedacht.

Der Primarbereich unter Leitung von Cordula Schonert-Sieber und Dr. Marita Koerrenz beschäftigte sich mit der biblischen Noahgeschichte und fragte danach, wie die Pandemie unsere Sichtweise auf diese Geschichte verändert hat. Aber auch dem Austausch der Religionsfachkräfte über die Frage nach Möglichkeiten des Faches Religion in der derzeitigen Situation wurde Raum eingeräumt.

Die Gruppe Sekundarstufe I, geleitet von Prof. Dr. Michael Wermke, besprach auf Grundlage der Thüringer Lehrpläne des katholischen und evangelischen Religionsunterrichts für die Regelschule und ausgewählter Schulbücher beider Konfessionen, wie eine konfessionell-kooperative Unterrichtssequenz „Christliche Gemeinschaft in Taizé“ geplant werden kann.

Dr. Sarah Fischer leitete den Workshop für die Sekundarstufe II zum Themenbereich „Ekklesiologie“. Dabei ging es um projektbasiertes kompetenzorientiertes Lernen. Ausgehend von einem Vergleich der Oberstufenlehrpläne beider Religionsunterrichte zum Thema Gemeinschaft wurde danach gefragt, wie Gemeinschaft „konfessionell-kooperativ“ bestimmt werden kann.

Im Nachgang kam die Gesamtgruppe zu einem gedanklichen Austausch und zu einer abschließenden Diskussion wieder in einem Raum zusammen. Diese Diskussion wurde von spannenden Beiträgen durch die teilnehmenden Lehrerinnen und Lehrer aus Thüringen und aus Sachsen-Anhalt bereichert. Einige ihrer Überlegungen seien hier genannt:

  • Wie könnte der konfessionell-kooperative Religionsunterricht dazu dienen, Schülerinnen und Schülern Orientierung zu geben, damit sie befähigt werden, Gemeinschaft in der Krise selbst zu gestalten?
  • Wie können Schülerinnen und Schüler in einen Prozess eingebunden werden, der die Krise als eine Chance zu betrachten lernt. Der Lockdown hat deutlich gemacht, wie sehr wir als Menschen auf Gemeinschaft angewiesen sind. Die Erfahrung des Fehlens von Gemeinschaft in der Pandemie, könnte in einer Aufarbeitung im Religionsunterricht auch einen neuen Blick auf unseren Umgang mit Heterogenität werfen.
  • Die gemeinsamen Erfahrungen der Schülerinnen und Schüler durch die Pandemie sind letztlich als „geteilte Erfahrungen“ zu verstehen, die zwar zunächst als einzelne Erfahrung - getrennt in den Familien – im Lockdown erlebt worden sind, die aber dennoch als eine Erfahrung der gesamten „Klassengemeinschaft“ interpretiert werden kann. Ein Diskurs über diese „geteilte Erfahrung“ kann die Möglichkeit in sich bergen, Gemeinschaft als - aus einer Krise sich eröffnende - Chance wahrzunehmen.
  • Wie können die christlichen Religionsgemeinschaften ihren jeweiligen Wahrheitsanspruch miteinander in ein Gespräch bringen und so zu einer Suche nach Gemeinschaft beitragen?
  • Es ist die Herausforderung des konfessionell-kooperativen Religionsunterrichts, mit Schülerinnen und Schülern verschiedener Konfessionen über unsere christliche Gemeinschaft zu sprechen, ohne dabei konfessionslose Schülerinnen und Schüler auszugrenzen.
  • Der zunehmende Antisemitismus in unserer Gesellschaft kann als Folge eines sich verengenden Gemeinschaftsverständnisses gedeutet werden. Die Frage nach einer angemessenen religionsdidaktischen Antwort auf diese Entwicklung ist eine wichtige Aufgabe im konfessionell-kooperativem Religionsunterricht.

 

Vielleicht wäre diese Herausforderung ein mögliches Thema für den nächsten konfessionell-kooperativen Fachtag.  

Hinweis:

Liebe Kolleginnen und Kollegen,

wir möchten Sie auf eine Seite des Religionspädagogischen Zentrums in Heilsbronn (RPZ) hinweisen, auf der sehr hilfreiche Ideen und Materialien für einen gemeinsamen Religionsunterricht in der Grundschule angeboten werden. Den Materialien liegt ein Abgleich der Lehrpläne für evanglischen, katholischen und islamnischen Religionsunterricht in Bayern zugrunde; sie lassen sich aber gut in unserem hiesigen Religionsunterricht in Zeiten von Corona nutzen.

Hier geht es zum Link: https://padlet.com/keppis89/Bookmarks

Praxistag_Schuld und Vergebung im KoKoRU Praxistag_Schuld und Vergebung im KoKoRU Foto: ZRB

Die Fachtagung „Schuld, Sühne und Vergebung im konfessionell-kooperativen Religionsunterricht“ vom 15.10.2020 - Ein Blick zurück nach vorn

Veranstalter: Das Pädagogisch Theologische Institut (PTI) der Evangelischen Kirche in Mitteldeutschland und das Zentrum für Religionspädagogische Bildungsforschung (ZRB) an der Friedrich-Schiller-Universität Jena.

Ein überregionaler Fortbildungsnachmittag zu einem Themengebiet des konfessionell-kooperativen Religionsunterricht unter CORONA-Bedingungen… Wie soll das gehen? Die Lösung bestand in einem digitalen Veranstaltungsformat, bei dem zudem eine lange Anreise zum Veranstaltungsort gespart werden konnte. Stattdessen konnten die Initiatoren, Dr. Ekkehard Steinhäuser (Direktor des PTI), Prof. Dr. Michael Wermke (Direktor des ZRB) und Dr. Marita Koerrenz (Leiterin der Arbeitsstelle Konfessionelle Kooperation in Thüringen des ZRB), einfach per Knopfdruck mit 16 katholischen und evangelischen Religionslehrkräften in Thüringen und Sachsen-Anhalt sowie Lehramtsstudierenden der Uni Jena in ein Gespräch eintreten.

Im Zentrum der Überlegungen stand die Frage, wie sich das Unterrichtsthema „Schuld, Sühne und Vergebung“ im einem konfessionell-kooperativen Format, also in der Kooperation zwischen katholischem und evangelischem Religionsunterricht zur Entfaltung gebracht werden kann. Nach einem systematisch-theologischen Impuls zum Thema Schuld, Sühne und Vergebung und einer vergleichenden Lehrplananalyse wurden anhand von Fallbeispielen mögliche Unterrichtssequenzen vorgestellt und diskutiert. Gefragt wurde danach, wie die Themenstellung im konfessionell-kooperativen Religionsunterricht des Primarbereichs sowie der Sekundarbereiche I und II umgesetzt werden können. Dabei stellte sich die Überlegung, wie die Erfahrungen der Schülerinnen und Schüler von Schuld, Sühne und Vergebung im Unterricht sprachfähig gemacht werden kann. Inwieweit spielen dabei konfessionelle Prägungen der Schülerinnen und Schüler eine Rolle und wie kann damit konfessionssensibel umgegangen werden? Aber auch die andere Seite ist zu bedenken: Wie gehen die Lehrerinnen und Lehrer bei diesem Thema mit ihrer eigenen konfessionellen Prägung um? Was könnte also Konfessionssensibilität für die Praxis des Unterrichts bedeuten?

Eine weitere Frage warfen die Teilnehmerinnen und Teilnehmer auf, nämlich die scheinbare konfessionelle Indifferenz von Schülerinnen und Schülern und die Herausforderung, die sich daraus für die Didaktik des konfessionell-kooperativen Religionsunterrichts ergibt. Welchen Beitrag kann diese Form des Unterrichts nicht nur für die Reflexion, sondern auch für die Entwicklung der eigenen konfessionellen Identität der Schülerinnen und Schüler leisten?

Zum Ausklang der Veranstaltung wurde betont, dass der konfessionell-kooperative Religionsunterricht eine wichtige religionsdidaktische Herausforderung für Lehrerinnen und Lehrer und daher auch für die universitären Ausbildung und die Fortbildung am Pädagogisch Theologischen Institut darstellt. Der nächste Fortbildungstag zum Themenbereich des konfessionell-kooperativen Religionsunterrichts ist für die erste Hälfte des kommenden Jahres geplant. Abschließend galt ein besonderer Dank Katharina Muth, Geschäftsführerin des ZRB, und Sophie Knoke, studentische Assistentin, für die Moderation und die technische Organisation des Fachtags.

Dr. Marita Koerrenz

Eine Mitteilung des Pädagogisch-Theologischen Institutes (PTI) zum Fachtag finden Sie hier.

Schöpfung gestalten Schöpfung gestalten Foto: V&R

Unterrichtsmaterial "Schöpfung gestalten" (Marita Koerrenz)

Das Unterrichtsmaterialheft "Schöpfung gestalten. Mit Jugendlichen Religion und Ethik denken" nimmt Bezug auf die "Fridays for Future"-Bewegung und kann im konfessionell- kooperativen Religionsunterricht eingesetzt werden. Das Material bietet Quellentexte von AutorInnen beider Konfessionen an und berücksichtigt auch jüdische Positionen. Ein eigenes Kapitel ist der Haltung christlicher Kirchen zum Klimawandel gewidmet. Hierbei werden Stellungnahmen der katholischen und evangelischen Kirche kritisch beleuchtet.

Plakat Symposium KoKoRU Plakat Symposium KoKoRU Foto: FSU Jena

Gründung der der Arbeitsstelle "Konfessionell-kooperativer Religionsunterricht in Thüringen"

Mit dem Symposium »Der konfessionell-kooperative Religionsunterricht in Thüringen – Schule, Kirche und Universität im Gespräch« wurde am 6. November 2019 eine neue Arbeitsstelle des ZRB gegründet.

Oberkirchenrätin Martina Klein und Dr. Martin Fahnroth, Leiter der Schulabteilung des Bistums Erfurt, sprachen über »Konfessionelle Kooperation als Chance für den Religionsunterricht« aus kirchlicher Perspektive. Wissenschaftsdidaktische Perspektiven wurden von den Professorinnen Maria Widl und Andrea Schulte aus katholischer und evangelischer Sicht diskutiert. Vier verschiedene Denk- und Erfahrungsräume boten Möglichkeiten eines praxisnahen Austauschs und interaktiver Beteiligung. Diskutiert wurde unter anderem die Fragestellung, inwieweit in einem konfessionell-kooperativen Religionsunterricht Differenzen zwischen den Konfessionen als Lernchancen fruchtbar zu machen sind oder aber zugunsten des Blickes auf das Verbindende zwischen den Konfessionen und zugunsten zentraler Inhalte des Christentums zurücktreten sollten.

Die gegründete Arbeitsstelle wird die Gelingensvoraussetzungen einer konfessionssensiblen religiösen Bildung in der Schule untersuchen. Dabei stehen die Entwicklung didaktischer Konzeptionen für einen konfessionell-kooperativ ausgerichteten Religionsunterricht, die Erarbeitung von Unterrichtsmaterialien sowie die konfessionssensible Weiterentwicklung universitärer Lehrer*innenbildung im Fokus.

 

Das Thesenpapier des Vortrags von Prof. Dr. Schulte und Prof. Dr. Widl "Konfessionelle Kooperation als didaktisches Prinzip im Religionsunterricht" können Sie hier [pdf, 116 kb] einsehen.

Denk- und Erfahrungsräume I
Foto: FSU
Denk- und Erfahrungsräume II
Foto: FSU
Dr. Martin Fahnroth Bischöfliches Ordinat Erfurt
Foto: FSU Jena
Oberkirchenrätin Martina Klein
Foto: FSU Jena
Oberkirchenrätin Martina Klein
Foto: FSU Jena
Referent*innen
Foto: FSU Jena
Teilnehmer*innen KoKoRu-Symposium
Foto: FSU Jena
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