Viele Menschen auf der Straße

Religiöse Bildung im Kontext von Säkularisierung und religiöser Pluralisierung

Das Ressort wird von Prof. Dr. Michael Wermke geleitet.
Viele Menschen auf der Straße
Foto: eyetronic/fotolia.com

Über das Ressort

In unserer Gesellschaft vollzieht sich ein scheinbar widersprüchlicher Wandel: Während die Kirchenmitgliedschaftszahlen sinken und traditionelle religiöse Milieus in Auflösung begriffen sind, profiliert sich ein breiter religiöser ›Markt‹ und Religion findet eine neue Aufmerksamkeit in den kulturellen und politischen Debatten unserer Zeit – Phänomene, die auf eine zeitgleiche Säkularisierung und religiöse Pluralisierung unserer Gesellschaft hindeuten. Dieser Prozess erfährt durch die Zuwanderung seit den letzten Jahren im Zuge der weltweiten Migrationsbewegungen zusätzliche Impulse.  

In diesem Ressort analysiert das FZRB den Zusammenhang von Säkularisierung und religiöser Pluralisierung moderner Gesellschaften in soziologischer, theologischer und pädagogischer Perspektive. Leitend ist dabei die Fragestellung,  welche Schlussfolgerungen sich aus den gesellschaftlichen Ausdifferenzierungen für die Bildungstheorie und die Bildungspraxis ergeben.  Die  daraus erwachsenden Forschungsarbeiten bilden die wissenschaftliche Fundierung  für die Arbeitsstellen »Religiöse Bildung im ‚Thüringer Bildungsplan bis 18 Jahre‘« und »Kultur- und Religionssensible Bildung (KuRs.B-Projekt)«, die sich praxisorientiert mit aktuellen Herausforderungen religiöser Bildung in kirchlichen und öffentlichen Bildungsorten wie Kindertagesstätten und Schulen beschäftigen.

Projekte des Ressorts

Bzw... - Beziehungsweisen

Neuaushandlungen sozialer und sozialräumlicher Distanz- und Näheverhältnisse in ihren Auswirkungen auf den gesellschaftlichen Zusammenhalt während und nach der Corona-Krise

Projektleiter:  Prof. Dr. Sebastian HennJun.-Prof. Dr. Simon Runkel, Prof. Dr. Stefan Strohschneider, Prof. Dr. Michael Wermke

Laufzeit: 06/2020 --05/2021

Mittelgeber: Haushalt

Die sich im Zusammenhang mit der Covid-19-Pandemie hierzulande vollziehende Neuaushandlung von sozialen und sozialräumlichen Distanz- und Näheverhältnissen ist aus sozialwissenschaftlicher Perspektive von großem Interesse. So ist zu erwarten, dass die „Corona-Krise“ und die durch die Maßnahmen des „social distancing“ bzw. „physical distancing“ verursachten Veränderungen zu nachhaltigen Veränderungen der sozialen Beziehungsweisen von Menschen führen werden. Dabei ist davon auszugehen, dass Aushandlungsprozesse von sozialräumlichen Distanz- und Näheverhältnissen in unterschiedlichen sozialen Gruppen und Milieus zu je anderen Betroffenheiten und zu einer Herausforderung für die soziale Kohäsion der Gesellschaft insgesamt führen. Die verschiedenen individuellen, haushaltsbezogenen, familialen oder gruppenbezogenen Verinselungen gehen mit neuen Formen sozialer (Des)Integration einher, die sich insbesondere im affiliativen (bindungsbezogenen) Austausch zwischen Individuen, Gruppen und Milieus niederschlagen. Vor diesem Hintergrund zielt das beantragte Projekt darauf ab, mögliche langfristige Auswirkungen dieser Neuaushandlungen von sozialer und sozialräumlicher Nähe- und Distanzverhältnisse über ein an der Delphi-Methode orientiertes Befragungsdesign nachzuzeichnen und abzuschätzen. Zu diesem Zweck wird eine Online-Befragung mit ca. 200 eingeladenen ExpertInnen aus den Bereichen Bildung, Wissenschaft, Wirtschaft, Zivilgesellschaft / NGOs, Kultur und Verwaltung durchgeführt. Die Auswahl der ExpertInnen geschieht unter besonderer Beachtung von Diversitätskriterien. Im Studien-Design wird explizit berücksichtigt werden, dass sich nicht alle ExpertInnen zu allen Fragestellungen äußern können oder wollen. Angesichts der aktuellen Dringlichkeit wurde bereits in einem interdisziplinären Team (Sozialgeographie, Wirtschaftsgeographie, Interkulturelle Kommunikation, Religionspädagogik) mit ersten Vorbereitungen eines Pretests begonnen. Mit dem vorliegenden Antrag wird eine Förderung beantragt, um die Durchführung der Studie sowie die Auswertung und Analyse der Daten zu ermöglichen sowie die Ergebnisse für die EntscheidungsträgerInnen in verschiedenen gesellschaftlichen Teilbereichen (Bildung, Politik, Verwaltung, Wirtschaft) aufzubereiten. Abgeschlossen wird das Projekt, das verschiedene Formen der Öffentlichkeitsarbeit und der Publikation der Ergebnisse vorsieht, mit einer für Sommer 2021 geplanten Fachtagung in Jena.

Globale Wissenstransfers und Translokale Paradoxien

Globalisierung wird gemeinhin sowohl als Treiber als auch als Folge einer wachsenden, grenzüberschreitenden räumlichen Mobilität angesehen. Diese Mobilität geht mit verschiedenartigen Formen des Transfers von kulturell-religiösen, gesellschaftlichen sowie wissenschafts- oder technologiebezogenen Beständen an Fakten, Theorien und Regeln einher.
Das Projekt "Globale Wissenstransfers und Translokale Verpflechtungen" zielt auf die Analyse derartiger globaler Austauschprozesse ab. Es sollen deren Voraussetzungen, Bedingungen und Spezifika sowie die daran beteiligten Akteure, aber auch die mit dem globalen Austausch von Wissen verbundenen Folgen betrachtet werden – in aktueller und historischer ebenso wie in konzeptioneller und empirischer Perspektive. Im Mittelpunkt steht dabei die Erforschung der mit den Austauschprozessen einhergehenden vielfältigen Spannungen zwischen der Notwendigkeit sich kulturell und regional auszudifferenzieren und gleichzeitig global angeschlossen zu sein.

Näheres zum Projekt finden Sie hier.

Transformationsprozesse im Kontext von Migration und Religion

Religiosität bleibt von Migrationserfahrungen nicht unbeeinflusst, ebenso wie Migrationserfahrungen durch religiöse Einstellungen und Deutungen Transformationen erfahren können. Die Frage, wie sich die Phänomene Religion und Migration gegenseitig bedingen, stand daher im Fokus einer interdisziplinären Tagung, zu der das ZRB vom 11. bis 12. November 2019 in den Senatssaal des Universitätshauptgebäudes einlud.

Die Keynote »Migration und religiöser Wandel: Eskalation, Innovation oder Traditionsabbruch?« wurde von Prof. Dr. Alexander-Kenneth Nagel gehalten.

Die Tagung fand in Kooperation mit dem Theologischen Forschungskolleg der Universität Erfurt und dem Interdisziplinären Zentrum für Pietismusforschung statt. Wir danken dem Forum for the Study of Global Conditions, der Evangelischen Kirche in Mitteldeutschland und der Ernst-Abbe-Stiftung für die finanzielle Unterstützung der Tagung.

Zum Tagungsband geht es hier.

Plakat Tagung Religion und Migration Plakat Tagung Religion und Migration Foto: FSU Jena
Bildungsplan Bildungsplan Foto: TMBJS

Religiöse Bildung im Thüringer Bildungsplan bis 18 Jahre

Der Ende 2015 veröffentlichte Thüringer Bildungsplan bis 18 Jahre beinhaltet ein durchgängiges Bildungskonzept, das institutionenübergreifend Bildungsorte und Bildungsansprüche aller Kinder und Jugendlichen bis zum Ende der Schullaufbahn miteinander verbindet. Erstmalig erhielt in einem bundesdeutschen Bildungsplan der Bereich der religiösen Bildung einen eigenständigen Bildungsbereich.

Zum verantwortlichen Autor für diesen Bildungsbereich und damit zum Mitglied des wissenschaftlichen Konsortiums berief das Kultusministerium Prof. Dr. Michael Wermke. Der Bildungsplan soll in einer ersten Implementierungsphase bis Ende 2017 durch zielgruppenspezifische Fortbildungs- bzw. Informationsveranstaltungen zentrale Akteure der bestehenden Unterstützungs-, Beratungs- und Informationssysteme des Landes bekanntgemacht werden. Das ZRB beteiligt sich u.a. in Kooperation mit dem LS für Religionspädagogik und dem ThILLM an der Implementierung des Thüringer Bildungsplans.

Publikationen

Religiöse Bildung in der Migrationsgesellschaft. Der Thüringer Bildungsplan bis 18 Jahre in der pädagogischen Bewährungsprobe, in: ThILLM (Hg.), Bildungsaspekte im Kontext von Zuwanderung (in Vorb.)

Auf dem Weg zu einer kultur- und religionssensiblen Bildung - Thesen und Reflexionen zu einem Paradigmenwechsel in der interkulturellen und -religiösen Bildung, in: Theo-Web 16 (2017), Heft 2, S. 37-47.

Religiöse Bildung in der sich religiös und weltanschaulich pluralisierenden Gesellschaft. 11. Arbeitsforum für Religionspädagogik, in: Ludwig Rendle (Hg.), Beobachtung und Teilnahme. Perspektivenwechsel im Religionsunterricht, München 2016.

Religiöse Bildung in der Migrationsgesellschaft. Der Thüringer Bildungsplan bis 18 Jahre in der pädagogischen Bewährungsprobe, in: Theo-Web 15 (2016), Heft 1, S. 86-100.

Öffentliche Religionspädagogik jenseits kirchlicher Bildungsverantwortung, in: Theo-Web 15 (2016), Heft 1, S. 7- 9.

Kindertagesstätten, in: Das wissenschaftlich-religionspädagogische Lexikon (2016, https://www.bibelwissenschaft.de).

Religiöse Bildung in der postsäkularen Gesellschaft, in: Doron Koesel/Ronald Lutz (Hg.), Religion und Politik. Analysen, Kontroversen, Fragen, Frankfurt/New York 2015, S. 287-302.

 

Weitere Projekte des Ressorts finden Sie unter der Arbeitsstelle KuRs.B.

Aktuelle Publikationen Eintrag erweitern
Großes Buch Großes Buch Foto: fotolia.com
  • Michael Wermke (Hrsg.): Öffentliche Religionspädagogik jenseits kirchlicher Bildungsverantwortung, Theo-Web. Zeitschrift für Religionspädagogik 15 (2016), Heft 1.
  • Miriam Rose | Michael Wermke (Hrsg.): Religiöse Rede in postsäkularen Gesellschaften, Leipzig 2016.
  • Miriam Rose | Michael Wermke (Hg.): Konfessionslosigkeit heute. Zwischen Religiosität und Säkularität, Leipzig 2014.
  • Zentrum für Religionspädagogische Bildungsforschung (Hrsg.): ‚Praxis religiöser und kultureller Bildung in Kindertagesstätten und Schulen‘ Bd. I, Kiliansroda 2018.
  • Martin Rothgangel | Michael Wermke (Hrsg.): Antisemitism as a remaining challenge of religious education, theoweb Zeitschrift für Religionspädagogik 2019/1.
  • Miriam Beier | Holger Gabriel | Hans-Martin Rieger | Michael Wermke (Hrsg.): Religion und Bildung – Ressourcen im Alter? Zwischen dem Anspruch auf Selbstbestimmung und der Einsicht in die Unverfügbarkeit des Lebens, Leipzig 2016.
  • Edward Schramm | Michael Wermke (Hrsg.): Leihmutterschaft zwischen Kinderwunsch und Kindeswohl, Berlin 2018.