Matthias Hannemann

Hemmnisse für die Gewinnung internationaler Arbeitskräfte in strukturschwachen Regionen: Emotionen, politische Identitäten, rechtspopulistische Ressentiments und unternehmerische Praktiken: das Beispiel Ostthüringen.
Matthias Hannemann Matthias Hannemann Foto: Privat

Angaben zur Person:

Matthias Hannemann
Löbdergraben 32, 07743 Jena
Raum 120
Telefon: +49 3641 9-48838
matthias.hannemann@uni-jena.de
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Forschungsinteressen mit Bezug auf Diaspora:

  • Migration und Integration
  • Flucht, Exil und Trauma
  • Rechtspopulismus, Ressentiments und gruppenbezogene Menschenfeindlichkeit
  • Internationalisierung von Unternehmen und Netzwerken

Vorläufiger Arbeitstitel des Promotionsprojekts: Hemmnisse für die Gewinnung internationaler Arbeitskräfte in strukturschwachen Regionen: Emotionen, politische Identitäten, rechtspopulistische Ressentiments und unternehmerische Praktiken: das Beispiel Ostthüringen.

 

 

Abstract:

Matthias Hannemann forscht zu Interdependenzen von emotional geprägten regionalen politischen Identitäten, Ressentiments gegenüber Minderheiten, unternehmerischen Praktiken und Regionalentwicklung im Kontext der Arbeitsmigration in strukturschwachen Regionen.

Vielfach wird die These vertreten, dass nachteilige Effekte des demographischen Wandels und assoziierte Defizite in der wirtschaftlichen Entwicklung in ländlichen und strukturschwachen Räumen durch den Einbezug von Migrantinnen und Migranten ausgeglichen oder zumindest gelindert werden könnten. Neben positiven wirtschaftlichen Effekten, primär mit Blick auf den sich stetig verschärfenden Fach- und Arbeitskräftemangel, erhofft man sich vom Einbezug internationaler Arbeitskräfte auch ein höheres Maß an gesellschaftlicher Vielfalt, die zur Stärkung von Werten wie Offenheit und Toleranz führen und damit mittelfristig zur Angleichung der Lebensverhältnisse zwischen ländlichen und städtischen Räumen beitragen könne.

Die diesen Ansätzen innewohnende implizite Verbindung der Felder Integration und Regionalentwicklung ist allerdings nur auf den ersten Blick eine einfache symbiotische Lösung.   
Aktuelle humangeographische Debatten, insbesondere zu so genannten Left Behind Places, stellen vielmehr für viele ländliche und strukturschwache Regionen gesellschaftliche und politische Tendenzen fest, die dieser vermeintlichen Lösung in der Praxis deutlich entgegenstehen: In vielen dieser Regionen finden sich neben einem vergleichsweise hohen Maß an Unzufriedenheit auch starke Ressentiments gegenüber Zugewanderten und anderen Minderheiten sowie ein großer Zuspruch für rechtspopulistische Parteien und Initiativen. Die externe Wahrnehmung dieser durch regionale politische Identitäten geprägten Ressentiments, z.B. in migrantischen Communities, bedingt wiederum nachteilige Imageeffekte, auch mit Blick auf Arbeits- und Fachkräftegewinnung.

Dies gilt auch für die Untersuchungsregion Ostthüringen und hier nicht zuletzt für die ansässigen Unternehmen. Anhand eines Methodenmixes, bestehend aus standardisierten Befragungen von Geschäftsführenden regionaler Unternehmen sowie leitfadengestützten Interviews mit eben jenen, BelegschaftsvertreterInnen sowie ExpertInnen aus dem Unternehmensumfeld werden quantitative und qualitative Daten zu Emotionen und Ressentiments in der Gesellschaft und auf unterschiedlichen Unternehmensebenen sowie daraus resultierende Praktiken in Unternehmen und Netzwerken erhoben, um zu analysieren, welche – auch emotionalen – raumspezifischen Faktoren diese Haltungen und Praktiken prägen und wie sie sich auf die Attraktivität des Wirtschaftsstandortes auswirken.

Keywords: Gesellschaftliche Polarisierung, Gruppenbezogene Menschenfeindlichkeit, Politische Identitäten, Peripherien, Rechtspopulismus, Regionalentwicklung

Projektlaufzeit: 01/2019-09/2022

Förderung: Freistaat Thüringen aus Mitteln des Europäischen Sozialfonds (ESF)