Minseok Kang
Minseok Kang
Foto: PrivatAngaben zur Person:
Minseok Kang
m.kang@uni-jena.de
Forschungsinteressen mit Bezug auf Diaspora:
- Religiöse Minderheiten
- Kirche in der DDR
- Kirche im Sozialismus
Arbeitstitel
„Die Christenlehre“ in der Diaspora: Eine Studie zur Entstehung einer ökumenischen Öffentlichkeit in der DDR
Abstract
Die vorliegende Dissertation untersucht die Religionspädagogik der Deutschen Demokratischen Republik (DDR) im Horizont der Öffentlichkeit. Ausgangspunkt der Arbeit ist die These, dass die DDR-Religionspädagogik nur dann angemessen verstanden werden kann, wenn sie im systematischen Zusammenhang der Konzepte Diaspora, Ökumene und Öffentlichkeit analysiert wird. Diese Begriffe bilden keine bloßen Hintergrundkategorien, sondern strukturieren die Selbstdeutung und Praxis religionspädagogischer Arbeit in der DDR.
Zentraler Untersuchungsgegenstand ist die religionspädagogische Fachzeitschrift Die Christenlehre. Als einziges kontinuierlich erscheinendes Fachorgan der DDR-Religionspädagogik ermöglicht sie einen exemplarischen Zugang zur Frage, wie religiöse Bildungsarbeit unter den Bedingungen eines atheistisch-sozialistischen Staates öffentlich wirksam werden konnte. Die Arbeit geht davon aus, dass sich die Religionspädagogik in der DDR nicht auf den Binnenraum der Kirche beschränkte, sondern an der Herausbildung nichtstaatlicher Öffentlichkeiten beteiligt war.
Die Diasporasituation der evangelischen Kirche in der DDR stellt dabei eine grundlegende strukturelle Voraussetzung dar. Diaspora wird nicht primär als Defizit verstanden, sondern als eine spezifische kirchliche Existenzform, die neue pädagogische und kommunikative Orientierungen erforderte. Für die Religionspädagogik bedeutete dies eine Abkehr vom volkskirchlichen Selbstverständnis und eine stärkere Ausrichtung auf situationsbezogene, dialogische und gesellschaftlich verantwortliche Bildungsformen.
Aus dieser diasporischen Konstellation heraus gewinnt die Ökumene zentrale Bedeutung. Die Arbeit zeigt, dass ökumenische Bezüge in der DDR-Religionspädagogik eine funktionale Antwort auf die Diasporasituation darstellten. Ökumene eröffnete einen transnationalen Horizont, der konfessionelle und ideologische Grenzen relativierte und neue Lern- und Kommunikationsräume erschloss. In der Zeitschrift Die Christenlehre manifestiert sich dieser Horizont insbesondere in der Rezeption internationaler ökumenischer Impulse.
Theoretisch orientiert sich die Untersuchung am Öffentlichkeitskonzept Jürgen Habermas’, insbesondere an der Bedeutung von Printmedien für die Herausbildung pluraler Öffentlichkeiten. Methodisch folgt die Arbeit einem begriffsgeschichtlich-hermeneutischen Ansatz, ergänzt durch eine quantitative Inhaltsanalyse. Die Ergebnisse zeigen, dass die DDR-Religionspädagogik als Teil einer ökumenisch geprägten Öffentlichkeit zu verstehen ist, in der Diaspora den strukturellen Ausgangspunkt, Ökumene den inhaltlichen Horizont und Öffentlichkeit den Raum gesellschaftlicher Wirksamkeit bildet.
Keywords: Die Diaspora, Die Zeitschrift „Die Christenlehre“, Die ökumenische Öffentlichkeit, Die Kirche in der DDR
Projektlaufzeit
seit 10.2020
Förderung
Landesgraduiertenstipendium(2022-2025)