Stefan van der Hoek

Otherness als identitätsstiftende Selbst- und Fremdmarkierung. Am Beispiel transnationaler neo-pentekostaler Kirchen der UKRG in Deutschland
van der Hoek van der Hoek Foto: Privat

Angaben zur Person:

Stefan van der Hoek

Fürstengraben 6, 07743 Jena

Raum 302

Telefon: +49 3641 9-42774

stefan.van.der.hoek@uni-jena.de

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Forschungsinteressen mit Bezug auf Diaspora:

  • Aushandlung von Gruppenzugehörigkeit und Konstruktion von Identitäten innerhalb religiöser Minderheiten und Diasporas
  • Transnationale Migration und Organisationsstrukturen
  • Globaler Wissenstransfer

Vorläufiger Arbeitstitel des Promotionsprojekts: Otherness als identitätsstiftende Selbst- und Fremdmarkierung. Am Beispiel transnationaler neo-pentekostaler Kirchen der UKRG in Deutschland

Abstract:

Das Forschungsprojekt geht der Frage nach, wie sich Identitäten zugewanderte christliche Gemeinschaften in modernen Migrationsgesellschaften konstruieren und mit der Aufnahmegesellschaft in einen Aushandlungsprozess treten. Dabei konzentriert sich das Forschungsprojekt auf die Darstellungsformen von Identitäten in Form von Wissens- und Informationszirkulationen in online verfügbaren Medien.

Zeitgenössische Veränderungsprozesse des sog. Weltchristentums und der globalen Migration wird in dieser Forschung zum Ausgangspunkt genommen, um sich der Gruppe christlicher Migrant:innen anzunähern. Formen des sog. Neo-Pentekostalismus, der sich in mehrfacher Hinsicht modernitätsaffin zeigt und beschrieben wird (Maxwell 2021) bietet ein vielschichtiges und anschauliches Untersuchungsmaterial darüber, wie Diasporen ihre Alleinstellungsmerkmale unter den Umständen einer neuen Mehr- bzw. Minderheitenkonstellation konstruieren. Als Untersuchungsmaterial werden die persönlichen Bekehrungserzählungen (Testimonials) verwendet, die Mitglieder der Universalkirche des Königreichs Gottes (UKRG), einer transnationalen Metachurch aus dem Ursprungsland Brasilien, über sich selbst im Internet kommunizieren. Die Auswertungsergebnisse des Materialkorpus zeigen, dass zugewanderte Individuen Religion als Identitätsmerkmal nutzen, um sich beispielsweise von einer früheren Identität loszusagen (Meyer 1997). Die Narrative zeigen, wie sich Diasporen über Strukturen der gemeinsamen Sprache, Ethnie, Kultur oder Herkunft hinaus in modernen Gesellschaften entlang neuer und komplexerer Identifikationsmuster figurieren können.

Auf der anderen Seite zirkulieren Informationen in Form von Online-Nachrichtenartikeln, die ein gänzlich anderes Identitätsnarrativ über die christliche Gemeinschaft zum Ausdruck bringen und eine Perspektive der Aufnahmegesellschaft und ihr produziertes Wissen über die UKRG darstellen. Religion wird in diesem Zusammenhang als Abgrenzungsmerkmal verwendet und zeigt, wie Diasporen von außen wahrgenommen werden können.

Während die christliche Gruppe Religion als identitätsstiftende Entität verwendet, um sich von der Gesamtgesellschaft abzugrenzen, verwendet die mediale Öffentlichkeit ebenfalls die Kategorie der Religion, um die Gruppe einzugrenzen. Diese Diskrepanz zwischen der Selbst- und Fremddarstellung und Gleichzeitigkeit von 'Otherness' ist das Erkenntnisinteresse der Arbeit und gibt Aufschluss darüber, wie sich Diaspora-Communitys in modernen Gesellschaften konstituieren.

Die empirischen Ergebnisse sollen mit der Orientierungshilfe der EKD zur Pfingstbewegung und Charismatisierung (2021) in Verbindung gebracht werden, die die UKRG bereits als Beispiel aufgriff, um exemplarisch potentiale kirchlicher Bildungsarbeit in Deutschland aufzuzeigen.

Keywords: Migration, Pentekostalismus, Diaspora, Wissenstransfer, Gemeindepädagogik

Projektlaufzeit: 11/2020 – 10/2023

Förderung: Friedrich-Schiller-Universität

Publikationen:

  • van der Hoek, Stefan (2021) Lusophony Pentecostal Churches in Berlin: Religious Identities Between Integration and Transatlantic Boundaries. International Journal of Latin American Religion, Springer. https://doi.org/10.1007/s41603-021-00154-2